Ich gehe davon aus, daß die Mehrheit der Männer sich niemals
befreit,
niemals anhand der eigenen Erfahrungen für sich klärt,
was
Männlichkeit bedeutet (...) weil wir niemals zugeben,
welche urtümliche Macht
DIE FRAU über uns hat.
Sam Keen 22
Die Männerstudie hat gezeigt, dass Männer auf die Infragestellung der traditionellen Männerrolle auf vier unterschiedliche Arten reagieren: Der “Traditionelle Mann“ bleibt bei der traditionellen Rollenaufteilung. Er sieht sich in erster Linie für Beruf und Einkommen zuständig. Der “Neue Mann“ tritt für eine gleichmäßige Verteilung der Aufgaben in der Familie ein, beim “Pragmatischen Mann“ finden sich traditionelle und neue Einstellungsmuster nebeneinander. Man kann sagen, er variiert seine Einstellung nach der jeweiligen Situation- oder er sucht sich jeweils die Rosinen heraus. Und der “Unsichere Mann“ hat nach dem Zerbrechen traditioneller Rollenmuster noch kein sicheres Selbstbild gefunden.23
Dies ist im Blick auf die Beratungssituation von Bedeutung, da hier eine deutlich sichtbare Differenzierung möglich ist: “Traditionelle Männer“, Männer, die (noch) an der Differenz der Geschlechter festhalten (können), suchen Beratung nicht auf. Sie haben ihr Leben (noch) im Griff. Erst durch eine Krise, wenn das Selbstbild zerbricht, suchen sie Hilfe auf. “Pragmatische Männer“ sind flexibel genug, um ihr Leben im Griff zu haben. Ihr Problem ist das eines uneindeutigen Profils, das allerdings selten so brennend ist, dass sie eine Beratung aufsuchen. “Neue Männer“, die eine gewisse Sicherheit in partnerschaftlichem Rollenverhalten haben, nutzen die Beratung für ein konkretes, klar umrissenes Problem. Im Bereich der Männerselbsterfahrungsseminare stellen sie einen hohen Anteil dar.
Männer des unsicheren Rollentyps stellen den Hauptteil der zu Beratenden dar. "Sie haben kein Bild von Männlichkeit, auch nicht ein Antibild, wie es etwa der Softie zur Orientierung benutzt."24 Diese Unsicherheit wirkt sich deztlich auf das Verhältnis zum eigenen Körper aus.
22
Sam Keen, Feuer 36.
23
Hierzu siehe Paul M. Zulehner / Rainer Volz, Männer 36ff.
"Traditioneller weise ist der Mann Berufsmann." (36). "Zur neuen Rolle gehört...
sich gemeinsam um den Haushalt zu kümmern." (38) Die Pragmatischen: "diese
Gruppe hat hohe traditionell, aber zugleich hohe neue Anteile" (41) Die
unsicheren: "sie stimmen weder den traditionellen, noch den neuen Rollenmustern
sicher zu." (ebd)
24 Uwe
Sielert, Jungenarbeit 18.