Meine
Aufgabe ist es nicht,
anderen das objektiv beste zu geben,
sondern das
Meine
so rein und
aufrichtig wie möglich.
Hermann Hesse 1
Männerberatung als dezidiert geschlechtsspezifischer Ansatz ist noch ein recht neuer Zweig in der Beratungsarbeit. Am besten organisiert und reflektiert ist sie dort, wo es um Männer als Täter geht.2 Die ´ganz normale´ Beratung über die Probleme des Alltags ist allerdings in der psychologischen Literatur ein Randthema. In der umfangreichen Literatur aus dem Bereich der Gestaltarbeit ist mir nur ein Aufsatz bekannt, der dezidiert geschlechtsspezifische Aspekte aus Männersicht in den Mittelpunkt stellt.3
In meiner Arbeit unternehme ich nun den Versuch auf
zentrale Themen und Fragestellungen der Männerliteratur (Teil_1) mit Konzepten
und Methoden aus der Gestaltarbeit zu beantworten (Teil_2). Die zentrale Frage
lautet:
Wie könnte eine gestalttherapeutische Männerberatung aussehen?
Dabei arbeite ich nicht in dem Sinne wissenschaftlich, dass ich unterschiedliche Ansätze vergleiche, sondern ich suche aus der Literatur Gedankengänge heraus, die mir relevant und sinnvoll erscheinen und setze diese -wie ein Puzzle- neu zusammen. Ich benutze quasi die Literatur als Steinbruch um ein neues Mosaik entstehen zu lassen. Aus dem ´Hintergrund´ Männerliteratur und Gestalttheorie soll sich so die ´Figur´ Männerberatung herauskristallisieren.4
1 Hermann Hesse, zit. nach: Mit Hermann Hesse durch das Jahr,
Frankfurt am Main 1976.
2 Z.B. der bundesweit organisierte Verein
"Männer gegen Männergewalt".
3 Markus Krämer, Gestalttherapie. Er
betont aber: "In meinem Text kann ich lediglich erste praktische Erfahrungen
darstellen und erste theoretische Überlegungen anstellen und Anstöße zur
Diskussion geben. Die eigentliche Arbeit an dem Thema Gestalttherapie mit
Männern steht noch aus." (181) Mehr bietet der Aussatz auch
nicht.
4 Zum Figur-Grud Prinzip: "Figur ist das, worauf unsere Wahrnehmung
gerichtet ist, was (...) unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Figur hebt
sich vor einem (Hinter-)Grund ab, der sie zur Geltung bringt (...) und ihr
Bedeutung verleiht." Axel Dinslage, Gestalttherapie 14f. Hervorhebung vom Autor.
Dies sei hier erwähnt, weil diese eklektizistische Arbeitsweise an der Uni nicht
immer auf Gegenliebe gestoßen ist, ich sie aber in der Gestalttheorie
theoretisch fundiert sehe.